Mini-Ratgeber Teil 3 – Lärmangst beim Hund

Miniguide del 3 - Hundens lydangst

Warum entwickeln manche Hunde Lärmangst, andere hingegen nicht?
Diese Frage gibt Anlass zu vielen Spekulationen, aber wir wissen mit Sicherheit, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

Genetische und erbliche Faktoren
Eine spannende Forschungsstudie an Rhesusaffen zeigt, dass bis zu 35 % der Unterschiede im Angstverhalten durch die von Mutter und Vater vererbten Gene erklärt werden können.

Sie stellten fest, dass insbesondere drei Hirnzentren (orbitofrontaler Cortex, Amygdala, limbisches System) deutlich aktiver waren als normal. Es war, als ob bestimmte Hirnregionen von der Fähigkeit, normale Bedrohungen zu bewältigen, zu einer überkritischen Reaktion übergegangen wären.

Die Tiere reagierten daher auf leichte Bedrohungen wie auf sehr große und akute Gefahren. Die Forscher schlussfolgerten, dass diese Überaktivität im Gehirn von den Elterntieren vererbt worden war. Dies macht die Tiere anfälliger für die Entwicklung von Angst- und Furchtverhalten im späteren Leben.

Eine Studie der Universität Oslo zeigte, dass Hütehunderassen oder Mischlinge davon häufiger Lärmangst entwickeln als andere Rassen. Die meisten Hunde mit Lärmangst zeigten erste Anzeichen erst im Alter von etwa einem Jahr.

Wie kann das sein? Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass manche Hormone erst dann aktiv werden, wenn das Gehirn reifer ist und der Einzelne die nötige Menge an Stress angesammelt hat. Dies könnte erklären, warum manche Angststörungen erst später im Leben auftreten.

Hormonelle Faktoren
Dieselbe Studie zeigte auch, dass Hündinnen eine um 30 % höhere Neigung zur Entwicklung von Lärmangst hatten als Rüden und dass ganze 72 % der kastrierten Hunde ein größeres Risiko hatten, Lärmangst zu entwickeln als unkastrierte Hunde.

Das deutet stark darauf hin, dass auch hormonelle Faktoren eine Rolle spielen. Dies sollte man vor der Kastration seines Hundes bedenken.

Krankheit und Schmerz
Zahlreiche Studien haben im Laufe der Jahre gezeigt, dass die meisten Verhaltensprobleme mit Krankheit und Schmerz zusammenhängen.

Eine brandneue Studie aus diesem Jahr zeigt außerdem, dass es wichtige Zusammenhänge zwischen Muskel-Skelett -Schmerzen und Geräuschempfindlichkeit gibt.

Dies kann auf Verletzungen, Stöße oder Überlastung von Gelenken, Knochen, Knochenplatten, Sehnen, Muskeln, dem Nervensystem und dem Bindegewebe zurückzuführen sein. Die Verletzungen können beispielsweise durch Ziehen an der Leine, einen Sturz, einen Beinbruch, Muskelverletzungen durch Zusammenstöße oder Stürze, wildes Spielen mit anderen Hunden oder Überlastung von Muskeln und Gelenken durch körperliche Aktivität verursacht werden.

Laute Geräusche verschlimmern die Schmerzen, da sie den Hund verkrampfen lassen und dadurch zusätzlich auf bereits gereizte und entzündete Muskeln oder Gelenke drücken, was weitere Schmerzen verursacht. Die Schmerzen werden dann mit den lauten und beängstigenden Geräuschen verknüpft, was wiederum zu einer erhöhten Geräuschempfindlichkeit führt.

Forscher raten Tierärzten daher, Hunde IMMER auf versteckte Krankheiten und Schmerzen zu untersuchen. Als Hundehalter sollten Sie sich dessen jedoch besonders bewusst sein und daher stets Ihren Tierarzt um Untersuchungen bitten sowie einen Tierchiropraktiker für eine Beurteilung kontaktieren.

Traumatische Erfahrungen

Die Vorgeschichte eines Hundes beeinflusst seine Geräuschempfindlichkeit. Vielleicht ist Ihnen einmal ein Deckel direkt neben dem Hund auf den Boden gefallen und er war entsetzt, oder ein LKW ist ihm beim Spaziergang zu nah gekommen.
Ein solch plötzlicher Schreckmoment kann zu einer negativen Konditionierung führen, da die plötzlichen und lauten Geräusche nun mit dem Gefühl der Angst verknüpft werden.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie beim Training der Gegenkonditionierung (siehe Mini-Leitfaden 2) diese mit einer systematischen Desensibilisierung kombinieren, da Sie sonst leicht die Stressgrenze des Hundes überschreiten und dadurch eine gesteigerte Angst hervorrufen können.
Das nennt man Überschwemmung.

Bedingte Ruhe, ein starkes Signal

Eine unglaublich effektive und einfache Trainingsmethode, die bei Angst- und Furchtverhalten von großer Bedeutung ist, ist die konditionierte Ruhe.

Mit nur wenigen Schritten können Sie Ruhe konditionieren, indem Sie ein Signal anschließen, das den Hund automatisch sofort entspannt.

So geht's:

  • Bereiten Sie das Training in einer Umgebung vor, in der sich Ihr Hund in der Regel schnell entspannt.
    entweder auf seiner Decke, im Bett oder auf dem Sofa.
  • Streicheln Sie Ihren Hund sanft und fahren Sie fort, bis er sich immer mehr entspannt. Massieren Sie ihn dabei mit sanften, kreisenden Bewegungen. Vielleicht liegt er auf dem Rücken mit den Beinen in der Luft – das ist ideal, damit wir wissen, dass seine Muskeln vollständig entspannt sind.
  • Wenn Ihr Hund völlig entspannt ist, geben Sie das gewünschte Signal, zum Beispiel „soooooooo“ oder „Gute Nacht“. Sagen Sie das einfach, am besten ein paar Mal hintereinander.

    Wiederhole es viele Male…

  • Nach und nach testen Sie Ihr Signal.
    Probieren Sie es in einem ruhigen Moment, wenn nichts passiert. Sagen Sie Ihr Signalwort „Ruhe“ oder „Gute Nacht“ und beobachten Sie, ob Ihr Hund sich automatisch hinlegt und entspannt.

    Wenn Sie Erfolg haben, testen Sie in immer aktiveren Situationen im Innenbereich und verstärken gleichzeitig Ihr Signal durch die ersten Schritte im Konditionierungsprozess.

    Sollte das nicht funktionieren, verstärken Sie Ihr Signal weiterhin durch die ersten Schritte des Konditionierungsprozesses, bis Sie es erneut testen.

    Hinweis: Es ist wichtig, dass Sie dieses Signal nicht mehrmals verwenden, wie beispielsweise das Signal „Geh und leg dich hin“, da es in diesem Fall nicht mit dem Zustand der Muskelentspannung verknüpft wird.

Diese Übung ist sehr einfach zu beginnen; erst beim Testen wird sie etwas kniffliger. Hier zeigt sich, ob die Konditionierung funktioniert. Sie sollte automatisch ablaufen, sodass man sie auch bei Gewitter oder Feuerwerk im Freien anwenden kann.

Konditionierte Ruhe hat sich als sehr wirksam bei Hunden mit Geräuschangst sowie bei Hunden mit hohem Stressniveau erwiesen.

Videos:
Hier sehen Sie eine kurze Sequenz, wie Sie mit einem Konditionierungsprozess beginnen können.

Videos:
Unten sehen Sie ein klassisches Beispiel dafür, wann bedingte Ruhe funktioniert :)

Referenzen:

https://youtu.be/Xh7sAKw78J0

https://www.livescience.com/51477-anxious-brains-are-inherited.html

https://www.psychologytoday.com/us/blog/canine-corner/201509/the-nature-and-consequences-noise-sensitivity-in-dogs

https://www.sciencedaily.com/releases/2018/03/180320100719.htm

Karolina Westlund, PhD
ILLIS ABC



Dieser Leitfaden wurde erstellt von

Hundeweise


Betina Sabinsky, professionelle Verhaltensforscherin und Tiertrainerin.

Sie fährt täglich DogWise und unterstützt seit 15 Jahren Hunde und ihre Besitzer mit Verhaltenstherapie, Beratung und Training.
Betina ist eine BAT-Expertin und hält regelmäßig eine Reihe beliebter Vorträge über Lärmangst, Alleinsein zu Hause, BAT usw.

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